FAQ

Allgemein

Bei einem Energieverbund wird Wärme und teilweise auch Kälte zentral erzeugt und über Leitungen an Kunden verteilt.
Dies macht Sinn, wenn die Energie auf Basis von erneuerbaren Ressourcen oder durch nicht genutzte Abwärmequellen erzeugt wird.

Im Energieverbund Neuhausen am Rheinfall ist die Abwärmequelle Kläranlage Röti geographisch gegeben und kann durch grosse Wärmepumpen kostengünstiger genutzt und aufbereitet werden als dezentrale objektspezifische Wärmepumpen mit Erdsonden. Bei Holzfeuerungen sind neben Kostenvorteilen auch die ökologischen Vorteile durch den besseren Nutzungsgrad und die emissionsärmere Feuerung durch die aufwändigen Filter ins Feld zu führen.
Die Abwärme durch die geplante Stromerzeugung mittels Holzvergaser lässt sich nur durch einen ganzjährigen Wärmebezüger vollständig nutzen. Der Energieverbund hat ganzjährig (also auch im warmen Sommer) einen Wärmebedarf wegen der Belieferung der Kunden mit Brauchwarmwasser.

Somit ist eine optimale effiziente Verwertung der Ressource Holz gegeben.

Die Kälte/Wärme wird mit Wasser über Fernleitungsrohre zu den Kunden transportiert. 
Der Transport erfolgt unterirdisch in gut isolierten Rohren, um Wärmeverluste auf dem Transportweg so gering wie möglich zu halten.

Durch den Energieverbund Neuhausen am Rheinfall hat die Gemeinde Neuhausen am Rheinfall als Energiestadt eine historisch einmalige und optimale Chance einen grossen Schritt vorwärts zu machen, da die diversen anstehenden Arealentwicklungen und nötigen Sanierungen von Heizzentralen von diversen Gebäuden das Projekt begünstigen. Der Energieverbund wird durch das ökologische und kostengünstige Wärme- und Kälteangebot zu einem weiteren Standortfaktor für die Attraktivität der Gemeinde Neuhausen am Rheinfall für Einwohner, Gewerbe und Industrie, auch im Hinblick auf Neuansiedlungen.

1) Ökologisch vorbildliches Wärmeprodukt
2) Einhaltung der im Baugesetz geforderten Energiestandards
3) Preis und Preisstabilität
4) Sicherheit der Energieversorgung durch mehrfache Redundanz

Das Projekt Energieverbund Neuhausen am Rheinfall wurde durch die Elektrizitätswerk des Kantons Schaffhausen AG (EKS AG) entwickelt. Die EKS AG konnte mit dem Projekt die Gemeinde Neuhausen am Rheinfall überzeugen das Projekt zu begleiten und eine Beteiligung zu erwägen.

In einer Volksabstimmung wird darüber entschieden, ob die Gemeinde die Fernheizwerk AG einbringt und sich damit am Projekt beteiligt.

Durch die besseren baulichen Standards wird der Raumwärmebedarf stetig abnehmen. Dies ist beim Projekt bereits berücksichtigt.
Der Brauchwarmwasserbedarf (duschen, baden, waschen) wird aber konstant bleiben. Grundsätzlich wird durch die verdichtete Bauweise (Grossobjekte), mit modernem Ausbaustandard, die Zahl der Objekte geringer.
Der grosse Vorteil ist aber, dass diese Grossobjekte trotzdem durch die Aggregation mehrerer Wohnungen mehr Wärme benötigen und durch den hohen Brauchwarmwasseranteil sich die Leistungsspitzen im Winter verringern.
Die Wärmeleitungen können also jahraus, jahrein besser ausgenützt werden. Als willkommener Nebeneffekt benötigen diese Gebäude aus Komfortgründen häufig auch Kälte.
Langfristig gesehen werden die Energieverbünde zu wichtigen Bausteinen in der Energiewende auf der Stromseite: Denn Abwärme, welche bei der Stromerzeugung mit Holz entsteht kann so vollständig genutzt werden. Die Stromproduktion mit Holz aus der Region ist einer zweiten Phase im Projekt bereits geplant.

Kommunikation

Bereits im Vorfeld wurden Anspruchsgruppen direkt angesprochen und konnten ihre Anliegen einbringen. Die EKS wird regelmässig über die Website über den Projektfortschritt und alle anstehenden sowie laufenden Massnahmen informieren. Dort sind auch Möglichkeiten für Feedback und Fragen eingerichtet. Zusätzlich werden Infoveranstaltungen durchgeführt, um über das Projekt zu informieren und weitere Anliegen seitens der Bevölkerung aufzunehmen

Ökologie

Durch die Wärmepumpen wird das Abwasser der Kläranlage, welches in den Rhein fliesst gekühlt. Die Forschung zeigt, dass im Bereich von mittleren und grösseren Kläranlagen die durchschnittliche Wassertemperatur regelmässig, d.h. über mehrere Tage die für die in der jeweiligen Gewässerregion angesiedelten Fische zu hoch und damit potentiell tödlich ist. Dies betrifft insbesondere auch die Äschenregionen, zu denen der Rhein bei Neuhausen zählt. Zählt das Fliessgewässer zur Äschenregion, so darf die Tagesmaximaltemperatur im März und April nicht höher als 15 °C liegen. Bei der Äsche ist zudem ganzjährig die vergleichsweise niedrige Letaltemperatur von 26 °C einzuhalten. Die Wärmeentnahme und die damit verbundene Abkühlung des Abwassers der Kläranlage ist deshalb für den Fischschutz von grossem Nutzen.

Das Holz kommt aus dem Wald der Region. Bei der Beschaffung wird ökologischen Kriterien, wie dem Anfahrtsweg und der nachhaltigen Holzbewirtschaftung, grosse Bedeutung zugemessen.

Die Energiezentrale des Energieverbundes Herbstäcker wird nicht mehr benötigt, da dieser durch den Energieverbund Neuhausen am Rheinfall nun mit kostengünstiger ökologischer Wärme - anstelle von mit fossilen Energieträgern erzeugter Wärme - beliefert werden kann.
Das Gebäude wird vorerst trotzdem bestehen bleiben. Über eine allfällige Umnutzung wird später entschieden.

Technik

Die Hauptenergiezentrale ist auf dem SIG-Areal am Standort der bereits heute bestehenden Energiezentrale, dem Kesselhaus. Dadurch können bauliche Massnahmen und Eingriffe ins Ortsbild vermieden werden. Sowohl ein Gasbrenner für die Spitzenlast und ein Kamin sind bereits im Kesselhaus vorhanden. Die kalte Fernwärme der Kläranlage Röti wird neu zur Energiezentrale geleitet und dort mit hocheffizienten Wärmepumpen auf nutzbares Temperaturniveau gebracht.
Für die zweite Holzenergiezentrale wurden diverse Standorte evaluiert. Kriterien waren: raumplanerische Aspekte, Einfügung ins Ortsbild, Verträglichkeit Anwohnerschaft, Windgutachten, Emissionen, Anlieferung, Lärm. Als optimaler Standort hat sich eine Platzierung im Gewerbegebiet Langacker an der Jestetterstrasse erwiesen.

In der freien Natur sind diverse Wärmequellen vorzufinden, so zum Beispiel Flüsse, Seen, das Erdreich oder die Umgebungsluft. Diese Wärme ist aber auf tiefem nicht direkt nutzbaren Niveau vorhanden. Etwas höhere Temperaturen weist das Abwasser von Kläranlagen auf. Diese Wärme ist aber auf tiefem nicht direkt nutzbaren Niveau vorhanden. Wärmepumpen bringen die Wärme durch den Einsatz von Strom auf ein höheres Temperaturniveau, als Nebenprodukt entsteht Kälte. Da die bereits bestehende Wärme nur auf ein höheres Temperaturniveau gebracht werden muss kann dies mit verhältnismässig wenig Stromeinsatz erfolgen.
Da nun sowohl nutzbare Wärme, aber als Nebenprodukt auch Kälte entsteht lässt sich beides optimal in einem Energieverbund nutzen. Bedarf an Kälte haben Gewerbe, Industrie und moderne Wohnbauten aufgrund der grossen Fensterflächen.

Die Beeinträchtigungen entstehen hauptsächlich durch den Trasseebau. Insgesamt werden über 30 Jahre ca. 6 km Trasse verbaut. Der Hauptteil davon (3.4 km) wird in den ersten zwei Jahren verbaut. Die Trasseeführung wurde eng mit der Gemeinde abgestimmt. So konnte sichergestellt werden, dass die stark befahrenen Hauptstrassen Klettgauerstrasse, Zentralstrasse und Jestetterstrasse nicht beeinträchtigt werden. Die Beeinträchtigung von Nebenstrassen in der Bauzeit können nicht vollumfänglich vermieden werden. Dort wird darauf geachtet, dass Strassenabschnitte möglichst zügig fertiggestellt werden.
Verkehrsumleitungen für den öffentlichen Verkehr sind nicht nötig. Kurzfristige Verkehrsumleitungen auf den Nebenstrassen werden frühzeitig angekündigt.

Bei Energiebezügern wird eine Objektzuleitung vom Trassee her benötigen und eine Übergabestation im Keller.
Kunden welche bereits eine Heizung haben, können diese zurückbauen und so Platz gewinnen, welcher anderweitig nutzbar ist und dadurch auch Betriebs- und Unterhaltskosten sparen.
Kunden welche ebenfalls Kälte benötigen, können dies über den Energieverbund tun. Dies erspart aufwändige Rückkühler: Platzersparnis, Lärmemissionsreduktion und Stromkostenersparnis!

Wohnneubauten und Arealüberbauungen wählen durch die strengen gesetzlichen Vorschriften häufig eine Lösung auf Basis von 100% erneuerbaren Energien. Für solche Kunden bietet die Fernwärme eine ökologisch optimale und kostengünstigere Lösung als eine Insellösung. Wir gehen davon aus, dass im gewählten Perimeter hauptsächlich solche Neubauten entstehen, weshalb dieses Gebiet im Fokus steht. Diverse Arealentwicklungen sind bereits geplant und die Arealentwickler drängen auf ökologische Fernwärme und -kälte. Durch Vorverträge und Absichtserklärungen mit diversen Kunden, kann von einer hohen Anschlussdichte ausgegangen werden. Ohne Fernwärme/-kälte wären diese Kunden auf teurere, umständlichere Lösungen angewiesen.
Bei Einfamilien- und kleinen Mehrfamilienhäusern nehmen die Leitungsverluste und die Anschlusskosten zu. Hier machen lokale Wärmepumpen durchaus Sinn als ökologische Variante.

Im Perimeter des Energieverbundes wird der Gasabsatz gegenüber dem Referenzszenario leicht abnehmen. Allerdings beschneidet der Energieverbund Neuhausen am Rheinfall nicht hauptsächlich den Gasabsatz. Sämtliche Arealentwickler planen Lösungen auf Basis erneuerbaren Energien, der Wärmeverbund Herbstäcker plante als Alternative auch den Umstieg auf Holzschnitzel und diverse Objekte in der Gemeinde haben heute noch Ölheizungen. Der Energieverbund wird zudem auch Erdgaskunde. Für die Deckung der Leistungsspitze im Winter macht der Rückgriff auf Erdgas energiewirtschaftlich durchaus Sinn, da im Winter Strom in Europa ohnehin knapp ist, und Wärmepumpen in der Grösse dementsprechend nicht auf die Spitzenleistung ausgelegt werden sollten.

Die einzige neue oberirdische Baute ist die optionale Holzenergiezentrale, welche in einer 2. Phase realisiert werden soll. Sämtliche Leitungen werden unterirdisch verlegt. Auf dem Areal der Kläranlage Röti gibt es Installationen, welche aber von aussen nicht wahrnehmbar sind.

Finanzielles

Das Projekt generiert eine marktgerechte Rendite. Diese wird benötigt um die Kapitalkosten zu decken, welche heutzutage historisch tief sind.

Das Projekt wird ohne Fördermittel aus Gemeinde und Kanton realisiert werden.
Es werden Fördermittel aus der Mineralölstiftung Klik beansprucht und bei der optionalen in der 2. Phase zu realisierende Holzheizzentrale die kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) des Bundes für die Stromproduktion.

Der Preis wird in 4 Komponenten aufgeteilt:

  • Einmaliger Anschlussbeitrag: Investitionsbeitrag zum Anschluss an den Energieverbund.
  • Grundpreis
  • Leistungspreis in CHF/kW
  • Energiepreis in Rp./kWh

Die Preisentwicklung wird transparent und kostengerecht vollzogen. Der Wärme- und Kältepreis wird kostengerecht nach Material-, Lohn-, Strom-, Holz- und Gaskosten indexiert. Dazu werden Indizes des Bundesamtes für Statistik herangezogen. Da es sich beim Projekt um ein kapital- aber nicht ressourcenintensives Projekt handelt sind die Preisschwankungen gegenüber individuellen Lösungen auf Basis von Öl oder Gas geringer. Die kostengerechte Indexierung stellt zudem sicher, dass der  Wärme- und Kältepreis langfristig marktfähig ist. Kunden haben somit optimale Planbarkeit und finanziellen Schutz.

Die Energie wird zu einem marktgerechten Preis angeboten. Dies bedeutet, dass der Energiepreis günstiger ist als die Vollgestehungskosten einer individuellen ökologisch gleichwertigen Insellösung (zum Beispiel Wärmepumpe).

Die EKS ist gegen einen Anschlusszwang. Einerseits sind wir der Überzeugung, dass wir mit einem vorzüglichen Produkt und einem sehr guten Preis gute Argumente haben um Kunden zu gewinnen, andrerseits widerspricht ein Anschlusszwang unserer kunden- und anspruchsgruppenorientierten Entwicklung des Energieverbundes Neuhausen am Rheinfall.

Lässt sich ein Kunde von den Vorteilen des Anschlusses an den Energieverbund überzeugen, so unterzeichnet er einen mehrjährigen Energieliefervertrag. Dieser ist nötig, um dem Energieverbund zu ermöglichen die Investitionskosten zu amortisieren. Bei einem netzgebundenen System sind Kunde und Lieferant grundsätzlich gegenseitig voneinander anhängig. Durch die transparente Preisgestaltung mit Definition von marktgerechten der Indizes durch eine Drittpartei (Bund) ist der Schutz des Kunden jederzeit gewährleistet. Wichtig ist auch anzumerken, dass bei anderen Energieträgern, wie zum Beispiel beim Öl der Kunde keinerlei Schutz hat und von der Willkürlichkeit der internationalen Märkten stark abhängig ist.

Durch den durch das Projekt über die Jahre leicht schneller abnehmenden Gasabsätze des Gaswerks werden auch die Einnahmen leicht zurückgehen. Demgegenüber ist aber auch zu berücksichtigen, dass nicht alle Zuleitungen ersetzt werden müssen, was zu Verminderungen bei Ersatzinvestitionen führt.
Die Gemeinde kann diese Ertragseinbussen aber durch Einnahmen durch die zu gründende in Neuhausen am Rheinfall domizilierte „Energieverbund Neuhausen am Rheinfall AG“ kompensieren. Einerseits kann sich die Gemeinde am Projekt mit der Einbringung der sich in Ihrem Besitz befindlichen Fernheizwerk AG (Wärmeverbund Herbstäcker) beteiligen uns damit an den Erträgen der Energieverbund am Rheinfall AG partizipieren. Andrerseits profitiert die Gemeinde von den Steuererträgen der Energieverbund Neuhausen am Rheinfall AG. Demgegenüber wirft das Gasgeschäft keine Steuererträge ab, da dies ein Teil der Verwaltung ist. Die Gemeinde hat somit eine weitere Einnahmequelle und hat die Risiken massiv reduziert. Durch die mittelfristig ungewissen Rahmenbedingungen bei Gasgeschäft (steigende CO2-Abgaben, verschärfte Musterenergievorschriften der Kantone für Heizungsersatz, Gaspreise, Regulierungen) ist die Gemeinde auf alle Fälle für die Zukunft optimal gewappnet.